Pyrenäenberghund

Foto: Carola Schubbel/Adobe Stock

Der Behüter

Der Pyrenäenberghund ist ein Herdenschutzhund aus den Pyrenäen. Er ist ein imposanter, kräftiger und zugleich athletischer, beweglicher Hund. Dabei wirkt er nicht plump, vielmehr ein stückweit elegant. Er hat ein mittellanges meist weißes Fell, das sehr dicht, geschmeidig und leicht gewellt ist. Die Menschen in dem rauen Gebirge zwischen Frankreich und Spanien nennen ihn liebevoll Patou. In den Pyrenäen gab und gibt es Wölfe und Bären. Zugleich waren und sind Schafe eine der wenigen traditionellen Lebensgrundlagen. Während man in Deutschland angesichts der Wiederkehr des Wolfes lamentiert und die Schäden an Wild und Schafherden aufrechnet, hat man in den Pyrenäen seit Menschengedenken auf Hunde gesetzt. Es funktioniert. Die Herdenschutzhunde gehören fest zu jeder Schafherde. Auf der französischen Seite heißen sie offiziell Chien de Montagne des Pyrénées oder Pyrenäenberghund, auf der spanischen Seite Mastin del Pirinero. Neben dem Behüten der Herden vor Wolf, Bär und zweibeinigen Dieben, bewachte Patou auch größere Anwesen. Seine mächtige Gestalt, seine Entschlossenheit und Fähigkeit, im Ernstfall zuzubeißen, verfehlen ihre Wirkung nicht. Der Eindruck muss so nachhaltig gewesen sein, dass seine Arbeit schon in der Antike und im Mittelalter in Schriften dokumentiert wurde. Die moderne Rassehundezucht interessierte sich sehr früh für diese imposanten Hunde. Schon bei der allerersten Hundeausstellung Frankreichs im Jahre 1863 wurde er gezeigt. Man begann, den Patou auch außerhalb der Pyrenäen als Wach- und Schutzhund zu etablieren. Dabei ist er ein Wächter und Beschützer mit territorialen Ansprüchen. Er wirkt kuschelig und durch seine ruhige, erhabene Erscheinung fast wie ein Teddybär. Da sollte man sich nicht täuschen. Er hat einen starken Charakter verbunden mit einer ganz eigenen aber sehr klaren Vorstellung, wie er sich zu benehmen hat - und andere in seinem Herrschaftsbereich ebenfalls. Er ist gewohnt, selbstständig zu denken und zu handeln. Das wird gerne mit Dickköpfigkeit verwechselt. Man muss sich mit ihm auf Augenhöhe mental messen und durch innere Autorität führen. Im dichtbesiedelten Mitteleuropa bedeutet dies, dass ein Pyrenäenberghund nur durch einen sehr erfahrenen, mental starken Menschen gehalten werden kann. Zudem müssen die äußeren Rahmenbedingungen stimmen. Großstadt und Etagenwohnung verbieten sich. Ein großer Garten sollte dabei sein, wo der Patou auch schon mal seine Löcher graben darf. Er ist in seiner Ernährung anspruchslos wie auch in seiner Unterbringung. Er kann problemlos das ganze Jahr draußen verbringen - einen geeigneten Unterschlag vorausgesetzt und "geeignet" meint weder Zwinger noch gar Kette. Der Patou muss sich in seinem Revier frei bewegen können.

Der Pyrenäenberghund ist kein klassischer Familienhund. Er kann einer sein, wenn er eine ausgesprochen fachkundige, starke Führung durch Herrchen und Frauchen hat und die Rahmenbedingungen ebenfalls passen. Dann, aber nur dann kann er ein wirklich guter Familienhund sein. Er behütet fürsorglich und liebevoll alle Mitglieder der Familie, andere Vierbeiner eingeschlossen. Nebenbei ist er ein guter Wächter und ausgesprochen verlässlicher Beschützer der Familie und des Anwesens. Fremden gegenüber ist er misstrauisch bis abweisend. Dieser große, selbstbewusste Hund ist durchaus feinfühlig und legt großen Wert auf eine enge emotionale Bindung an seine menschliche Familie. Kasernenhofstil ist exakt das Gegenteil vom dem, was er in seiner Führung braucht. Er will vielmehr eine starke auf einem vertrauensvollen Verhältnis zu Herrchen und Frauchen beruhende Autorität. Er ist keiner, der für irgendwelche Spielchen auf Kommando Lust hat. Dieser Hund ruht in sich selbst und strahlt diese Souveränität und Gelassenheit auch aus. Das tut unserer Psyche gut. Die Erziehung und Führung eines Pyrenäenberghundes gehört in die Hand eines engagierten Herrchens oder Frauchens mit fundierter Hundeerfahrung und -kenntnis. Es wäre unverantwortlich, einen solchen Hund als Anfänger oder quasi nebenbei halten zu wollen. Der Pyrenäenberghund erfreut sich einer robusten Gesundheit und hat - bezogen auf seine Größe - eine hohe Lebenserwartung von 12 und mehr Jahren.

Wenn Sie einen Hund haben wollen, der

+ ein selbstbewusster und selbständiger Freund sein darf

+ Haus, Hof und Familie behüten und verteidigen soll

+ ein starker Partner auf Augenhöhe sein darf

+ Treue mit einer eigenständigen Persönlichkeit verbindet

dann passt der Pyrenäenberghund ganz hervorragend zu Ihnen.

Wenn Sie einen Hund haben wollen, der

+ schlicht ein unkomplizierter Familienhund sein soll

+ Everybodies Darling spielen soll

+ sich in der Stadt oder in einer Wohnung wohlfühlen kann

+ auch für einen Anfänger geeignet ist

dann ist der Pyrenäenberghund wahrscheinlich nicht der richtige Partner für Sie.

Christoph Jung

Erziehung

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Pflege

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Beschäftigung

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Bewegung

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Familie

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Anfänger

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