Hilfe bei Vergiftungen


Vergiftungen können jeden Hund treffen. Gerade in der kalten Jahreszeit können sie durch Frostschutzmittel hervorgerufen werden. Welche Symptome Sie sofort in Alarm versetzen sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Nach einem Sonntagsspaziergang im Park fängt Hugo, eine dreijährige Französische Bulldogge, zu zittern an und erbricht sich. Das Zittern nimmt zu, der Rüde fällt um und krampft ununterbrochen. Panik bricht aus, die Situation ist lebensbedrohlich, es eilt – ein Alptraum vieler Hundebesitzer.

Hugos Besitzer bringt den Rüden in den Notdienst der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Nach kurzer Untersuchung besteht der Verdacht auf Schneckenkornvergiftung. Nun muss schnell und effektiv behandelt werden. Hugo bekommt entkrampfende Medikamente und eine Magenspülung. Eine Schneckenkornvergiftung erfordert häufig eine mehrere Tage dauernde Intensivtherapie bis hin zum künstlichen Koma. In diesem Fall besteht an der Klinik die Möglichkeit zur Dialyse. Mit einer nur dreistündigen Blutreinigung kann der größte Teil des Toxins aus Hugos Körper entfernt werden. Bereits am nächsten Morgen darf der Rüde nach Hause.

„Je früher ein Hund mit Vergiftung dem Arzt vorgestellt wird, desto besser sind seine Chancen. Vor allem wenn der Hund krampft, nicht mehr stehen kann oder Atemnot hat, muss es schnell gehen.“


Hugo und sein Besitzer hatten Glück: Der Notdienst war nicht weit entfernt. Doch das ist leider keine Selbstverständlichkeit. Immer mehr Tierärztliche Notdienste in Deutschland müssen schließen. Die gesetzliche Arbeitszeitregelung gilt auch für Tierärzte, und Bereitschaftsdienste müssen entsprechend vergütet werden. Das für einen vierundzwanzigstündigen Notdienst erforderliche Personal ist für viele Praxen und Kliniken mit dem aktuellen Gebührenniveau nicht mehr finanzierbar. Doch gerade in Notfällen, wie etwa einer Vergiftung, können weite Wege lebensbedrohlich sein.

Je früher ein Hund mit Vergiftung dem Arzt vorgestellt wird, desto besser sind seine Chancen. Vor allem wenn der Hund krampft, nicht mehr stehen kann oder Atemnot hat, muss es schnell gehen. Manche Toxine lösen Erbrechen aus. Hunde, die mehr als drei bis fünf Mal innerhalb weniger Stunden erbrochen haben, sollten auf jeden Fall einem Tierarzt vorgestellt werden. Auch wenn die Maulschleimhaut weiß statt rosa ist, ist zügiges Handeln geboten.

Bei Aufnahme von Fremdsubstanzen gilt es, gut auf eventuelle Vergiftungssymptome wie Zittern, Bewegungsstörungen, Krämpfe oder häufiges Erbrechen zu achten. Einfaches Erbrechen, Durchfall oder leichte Unruhe sind meist nicht akut lebensbedrohlich. Doch die Situation kann sich auch schnell verschlechtern.

Bei schweren Vergiftungen ist es sinnvoll, Hilfe in spezialisierten Kliniken zu suchen, in denen intensivmedizinische Methoden wie Infusionstherapie, Antidotherapie, intravenöse Lipidtherapie oder verschiedene Dialyseverfahren zur Verfügung stehen. Hier kann dann individuell entschieden werden, welche Therapieoptionen für den betroffenen Hund am besten geeignet sind.

Dr. René Dörfelt, Medizinische Kleintierklinik der Ludwig-Maximilian-Universität München

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